Da ist der Wurm drin

Was sich der liebe Gott dabei gedacht hat, als er die eine oder andere Art des Ungeziefers geschaffen hat, wird uns bis zum Moment der vollen Erkenntnis am jüngsten Tag verborgen bleiben. Schließlich sind Gottes Gedanken nicht die unsrigen. Trotzdem kann man ja ein wenig mutmaßen.

Bei dem, was der Käferkundler als "Anobium punctatum" bezeichnet und was uns als Gemeiner Nagekäfer oder kurz als Holzwurm bekannt ist, gibt es Deutungsmöglichkeiten.

Zwar ist es schlimm, wenn unschätzbare Kunstwerke längst verblichener Meister ein (Mund)Raub des gefräßigen Nagers werden (und so mancher Riemenschneider besteht ja inzwischen mehrheitlich aus Löchern, als aus Holz), hinwiederum benötigen ja auch die heutigen Meister der holzschnitzenden Zunft Aufträge, um überleben und um ihrem modernen künstlerischen Empfinden Ausdruck verleihen zu können.

Bei allem Verständnis kann man jedoch andererseits auch einem gemeinen Holzwurm, der sich vermutlich nicht so tiefgründig darüber Gedanken macht, in was er seine gefräßigen Reißzähne schlägt, zumuten, sich lieber einen alten Holzschuppen für seine Überlebensaktivitäten auszusuchen, als etwa einen Riemenschneider.

Wie dem auch sei, irgendwie haben diese Untiere leider Einzug in unsere Kirche gehalten und fressen sich inzwischen sowohl in beängstigendem Tempo als auch in nie dagewesener Anzahl durch Fußbodenleisten, Kreuzwegstationen, Triumphkreuz, Türen und Dielen und leider auch durch die hölzernen Teile der Orgel. Offenbar scheint es mit dem Kunstsinn der Tiere nicht weit her zu sein.

(Hier hat man den Sünder in flagrante delicto erwischt, der also nicht nur im Schutze der Dunkelheit und insgeheim, sondern vielmehr frech und schamlos bei hellem Lichte seinem Tagwerk nachgeht.)

 

Da wir jedoch die genannten Gegen- und Kunststände nicht nach ihrem Nährwert schätzen, gerne an unseren Schiestl-Kunstwerken festhalten möchten und deshalb eine weitere Zerstörung unterbinden müssen, wurden inzwischen die befallenen Figuren und die Kreuzwegstationen zu einer Schädlingsbekämpfung verbracht. Dort geht es dann den Käfern und Würmern an den Kragen. Kunst geht in diesem Falle vor Artenschutz.

 

 

Für die Orgel scheidet diese Methode leider aus, denn das Instrument könnte überhaupt nur mit einem enormen technischen und finanziellen Aufwand ausgebaut werden; selbst während der Sanierung der Pfarrkirche vor 10 Jahren war seinerzeit nur das Pfeifenwerk ausgelagert worden und der gesamte Holzaufbau verblieb in der Kirche. Hier fehlt noch eine gute Idee. Auch muß das Ausmaß der Zerstörung erst einmal begutachtet werden.

Bitte wundern Sie sich also nicht, wenn in den kommenden Wochen die Kirche ungewohnt leer aussieht. Es ist nur vorübergehend. Die fromme Andacht, die bisher durch schöne Kunstwerke gefördert wurde, muß zwischenzeitlich also durch vermehrte innere Sammlung wettgemacht werden.

 

 

Die Schiestl-Figuren gingen im Bus auf die Reise, um dem Holzwurm das Handwerk zu legen.

 

Wir halten Sie auf diesen Seiten vom weiteren Fortgang der Arbeiten auf dem Laufenden.


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