Sonneberger Tafel feiert fünfjähriges Bestehen

    Was anfangs mit Skepsis beobachtet wurde, hat sich in den vergangenen Jahren für viele Menschen im Landkreis zu einer lebenswichtigen Einrichtung entwickelt. Anfang Februar feiert die Sonneberger Tafel ihr fünfjähriges Bestehen.

Sonneberg – Knapp 600 Kunden und rund 40 Mitarbeiter – eine stolze Bilanz, die ein wirtschaftliches Unternehmen mit geschwellter Brust vorstellen würde. Im Falle der Sonneberger Tafel handelt es sich jedoch bei den Kunden um bedürftige Menschen, die das Angebot, Nahrungsmittel für einen Obolus zu kaufen, annehmen müssen und bei den Mitarbeitern um ehrenamtliche Helfer, die ihre freie Zeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen, Lebensmittel abholen, sortieren und ausgeben. Erwirtschaftet wird dabei nichts. Denn die Sonneberger Tafel ist ein Gemeinschaftsprojekt des Evangelischen Kirchenkreises und der katholischen Kirchengemeinde St. Stefan in Trägerschaft des Diakoniewerkes Sonneberg-Hildburghausen/Eisfeld. Nun steht das fünfjährige Jubiläum ins Haus.

 

Angefangen habe alles schon wesentlich früher, erinnert sich Melanie Wagner-Köhler, Leiterin der Kreisdiakoniestelle Sonneberg, die sich derzeit in Elternzeit befindet. Damals war die Kreisdiakoniestelle noch in Trägerschaft des Diakoniewerkes, befand sich in der Rathenaustraße und wurde von Karin Fröber geleitet, deren Arbeitsgebiet sich auf Spätaussiedler und Senioren konzentrierte. „Es begann damit, dass immer mehr bedürftige Personen bei ihr geklingelt haben und Geld von ihr wollten“, berichtet Wagner-Köhler. Stattdessen habe Fröber lieber Lebensmittel verteilt, die sie von Spendengeldern kaufte. Es wurden immer mehr, die auf Hilfe angewiesen waren. 2006 trat Melanie Wagner-Köhler die Nachfolge von Karin Fröber als Leiterin der Kreisdiakoniestelle an, hat vorher viele Erfahrungen in der Familienarbeit gesammelt. „Nach und nach kamen immer mehr Familien mit Kindern zu uns, die auch Lebensmittel haben wollten“, erinnert sie sich. „Die ersten konkreten Überlegungen haben wir uns dann vor gut sechs Jahren gemacht. Schnell entschieden wir uns dazu, uns den Tafeln anzuschließen. 2009 zogen wir in die heutigen Räumlichkeiten in der Marienstraße um.“

Ohne die großartige Unterstützung von Superintendent Wolfgang Krauß und Pfarrer Andreas Anhalt von der katholischen Gemeinde St. Stefan wäre gerade am Anfang vieles nicht möglich gewesen. „Deshalb haben wir gleich zu Beginn einen Tafel-Vorstand ins Leben gerufen, um die entsprechenden Vorbereitungen in die Wege zu leiten. Diesem Ur-Gremium gehörten neben Pfarrer Anhalt und Herrn Krauß auch Klaus Stark, Geschäftsführer des Diakoniewerkes, und Dr. Jörg Stricker an. Letzterer kümmerte sich auch um die Spendenakquise und den Aufbau der Tafellogistik“, erklärt Wagner-Köhler. Damit sei die erste Säule für das Gemeinschaftsprojekt Tafel aufgestellt worden. „Die zweite, ebenfalls überlebenswichtige sind die freiwilligen Helfer, die wir dank einer Info-Veranstaltung gleich zu Beginn gefunden haben. So ist der Betrieb, das tägliche Geschäft immer aufrechterhalten worden.“ Die dritte Säule, ohne die das bewusst ökumenisch angelegte Vorhaben nicht zu stemmen sei, sind natürlich Spender und Sponsoren. Denn nach wie vor finanziert sich die Einrichtung ausschließlich über Spendengelder, muss davon Miete und Nebenkosten bezahlen und die Fahrzeuge unterhalten, mit denen die – glücklicherweise – zahlreichen Lebensmittelspenden der Supermärkte und Discounter im Landkreis abgeholt werden.

Dank einer Spendenaktion mit „Freies Wort hilft“ konnte vor rund vier Jahren ein größerer Wagen angeschafft werden, „doch dem merkt man inzwischen an, wie häufig er für die Tafel im Einsatz ist, da wir auch in Neuhaus am Rennweg Lebensmittel verteilen“, sagt Melanie Wagner-Köhler. Darüber hinaus seien übers Jahr verteilt größere und kleinere Reparaturen nötig, muss das Auto auch gewartet werden, was ebenfalls einen erheblichen Kostenfaktor bildet.

Um die Bürger über die Tafel auf dem Laufenden zu halten, nehmen die Mitarbeiter und Helfer der Einrichtung beispielsweise jährlich am Stadt- und Museumsfest oder am ökumenischen Kirchentag teil, informieren so über ihre Arbeit und nutzen die Gelegenheit, die Menschen auf die immer weiter auseinander klaffende Schere in der Gesellschaft hinzuweisen, darauf, dass es immer mehr Bedürftige – darunter viele Kinder und auch Senioren – gibt, die weitaus weniger zum Leben haben als der Großteil der Bevölkerung. Auch in Neuhaus am Rennweg werden immer dienstags Lebensmittel verteilt, sagt Konstanze Bauersachs, derzeitige Leiterin der Kreisdiakoniestelle Sonneberg, die Wagner-Köhler vertritt. „Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit einer Ernährungsberaterin ein Kochbuch erstellt und eine Kinderkleiderkammer eröffnet“, berichtet Sylvia Möller, operative Leiterin der Sonneberger Tafel.

Neben dem Tafel-Vorstand, der sich derzeit aus den drei Gründungsmitgliedern Klaus Stark, Wolfgang Krauß, Pfarrer Anhalt und Klaus Gelbricht zusammensetzt und dessen amtierender Vorsitzender Pfarrer Anhalt ist, gibt es auch den sogenannten Tafel-Beirat. „Hier haben sich Menschen aus der Öffentlichkeit zusammengeschlossen, die die Sonneberger Tafel wohlwollend bedenken“, erklärt Melanie Wagner-Köhler die Hintergründe.

Den fünften Geburtstag ihrer Einrichtung feiern die Mitarbeiter und Helfer der Sonneberger Tafel am Sonntag, 9. Februar. Um 14 Uhr werden Superintendent Wolfgang Krauß und Pfarrer Andreas Anhalt zunächst eine ökumenische Andacht in den Räumlichkeiten der Sonneberger Tafel in der Marienstraße halten. Im Anschluss haben alle Gäste und Besucher die Möglichkeit, sich vor Ort umzusehen, um sich ein Bild von der täglichen Arbeit zu machen. Die feierliche Festveranstaltung beginnt um 15.15 Uhr im Gesellschaftshaus Sonneberg. Für die musikalische Umrahmung sorgen an diesem Sonntagnachmittag die „Bebos“, mit „Belcanto“ die kleine Besetzung des Judenbacher Männerchores sowie die Mitglieder des „Sonneberger Singezentrums e. V. Hans-Werner Döring“. Mit Kaffee und Kuchen ist in der Pause auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Daniela Löffler, Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Sonneberg/ Hildburghausen

 

Bild 1: Pressekonferenz zur Gründung der Tafel, 14.1.2009

Bild 2: Helfer in der Tafel

Bild 3: Sponsor bei der Übergabe von Hilfen

Bild 4: der aktuelle Vorstand der Tafel, von links: Klaus Gelbricht, Superintendent Wolfgang Krauß, Pfr. Andreas Anhalt, Diakoniechef Klaus Stark

Bild 2-4 Daniela Löffler

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