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Ulrike Drasdo

 

Ein Leben zwischen den Fäden hat sich vollendet – Textilkünstlerin Ulrike Drasdo

 

Es war im letzten Jahr, am Abend des 14. November, da ruhten für immer die Hände einer Künstlerin, die nicht nur mit den farbigen Wollfäden im Webstuhl sondern auch mit den Lebensfäden bis nach Nepal umgehen konnte. Verknüpfen, was abzureißen droht an Leben, Existenzen der Kleinen, der Armen. Ihr Einsatz war unermüdlich, um durch Kontakte und Reisen, Vorträge und Spendensammlungen die Armenapotheke in Kathmandu zu unterstützen. Die lange schwere Krankheit brachte sie nicht davon ab, weiter an Kunstwerken zu arbeiten, nach Nepal zu fahren, dann sich später im Rollstuhl zu Vorträgen  fahren zu lassen und in ihrer Werkstatt in Hohenfelden Webkurse, unter anderem für Flüchtlingsfrauen, zu halten. Die Stärke zeigt sich  in der Annahme der Schwäche und sie gibt die Seele preis, aber da eröffnet sich der weiteste Raum von Leben, das man schenken kann, wenn es zum Ende der Spule kommt …

Auch wir können als Gemeinde von St. Stefan sehr dankbar sein, Frau Ulrike Drasdo kennen gelernt und wirken gesehen zu haben. Bis heute! Während der Neugestaltung unserer Kirche 2002 hat sie gewebt und verschiedene Antependien, die in Farben und Gestaltung liturgisch auf das Kirchenjahr abgestimmt sind, geschaffen. Diese hängen am Lesepult und lassen so den Charakter des Gottesdienstes erkenne. Es gibt auch eines für das Requiem oder den Allerseelentag. Später konnten wir eine größere Webarbeit für das Gemeindehaus erstehen. Erkennbar ist ein Kreuz in den Farben des Regenbogens.

Als Gemeinde ist man manchmal auch neugierig und will sehen, wie die Künstler so leben und arbeiten. Frau Drasdo lud uns gerne zu sich ein, und ein paar Gemeindemitglieder fuhren im Sommer 2003 zu ihr. Ein Häuschen im Grünen, aber nicht nur zum Ausruhen. Frau Drasdo liebte die Natur und sie lebte auch von ihr. Sie nahm ihr nichts weg, was sie ihr nicht gab. Wir staunten, wie sie mit Wasser umging, für sie war jeder Tropfen wertvoll und nichts war umsonst gelaufen. Ihr Garten war ihre Nahrungsquelle. So wie sie lebte, webte sie auch. Mit Hingabe und Seele. Jeder Faden hatte eine Geschichte. Jede Farbe ihren Auftrag. Und die Zeit dafür, Leben und Weben in seiner Ganzheit zu gestalten, kam aus ihrem vollen Herzen. Jedes Werk ein Herzstück! Es leuchtet und erzählt, so wie Ulrike Drasdo gern erzählte und dabei immer lächelte, auch in den schweren Zeiten, wenn es „Herzstücke“ gab, aber keinen, der ein Werk erstehen konnte oder wollte. Sie lächelte und webte weiter. Das ganze Haus lächelte, wenn man ihre Stuben sah, die mit Wolle, Spulen und Webstühlen, Holzmöbeln, einem alten Ofen, Bildern und dem freien Blick durch die Fenster in den Garten atmeten. Ein kleines Flüsschen rauschte draußen. Arbeit ist nicht nur auf die Finger sehen, sondern auch das Draußen hereinholen, damit es aus der Welt wieder in die Welt getragen werden kann.

Ihr JA zum Leben, zum Helfen und zum Arbeiten, auch für die Natur, berührt heute noch in der Erinnerung an alle Begegnungen mit ihr und was man von ihr hörte. 66 Jahre alt ist sie geworden. Im Jahr 2016 bekam sie den Thüringer Verdienstorden.

Wenn man Gottes Faden zu den Menschen suchen wollte, dann findet man ihn wohl auch in den Geweben der Herzstückwerke von Ulrike Drasdo. - Danke.

 

                           
 

 

         
               

 

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