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Skulpturen zum Befassen

   Der norddeutsche Holzbildhauer Walter Green, Jahrgang 1952, schafft Bildwerke, die in seinen vielen Ausstellungen unter dem Titel „Skulpturen zum Befassen“ zu sehen, ja zu befassen sind. Schon allein der Titel lädt mit seiner Mehrdeutigkeit ein, sich wirklich mit den Skulpturen zu befassen.

 

In der Sonnberger Kirche St. Stefan sind drei solcher Skulpturen ausgestellt. Sie laden die Gottesdienstbesucher und alle anderen ein, sich mit den Skulpturen auseinander zu setzten. Die drei ausgestellten Holzbildwerke vermitteln ein Ahnen, wie der Künstler gestaltet. Meist greift er auf alte Eichenbalken aus Abrisshäusern zurück, die er dann durch ihr Alter, ihre Bearbeitungsspuren aus der Vergangenheit und der Formgebung der Jetztzeit aussagekräftig sprechen lässt. Und der Gedanke, dass eine alte Eichenbohle ca. 300 Jahre in einem Haus gelegen hat, die Eiche vielleicht 1000 Jahre gewachsenen ist, lässt unter diesem Vorbehalt um 700 den Samen in die Erde gefallen sein.


Die drei Bildnisse, die die Arkadenbögen der Apsis der Kirche ausfüllen haben folgende Namen:

„Morgenglanz der Ewigkeit“ (Mitte), „Der Hörende“ (links), „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ (rechts).

Der Text des Gotteslobliedes (668) macht das Befassen und Verstehen der Skulptur um einiges leichter.

 

Morgenglanz der Ewigkeit,

Licht vom unerschaffnen Lichte,

schick uns diese Morgenzeit

deine Strahlen zu Gesichte,

und vertreib' durch deine Macht

unsre Nacht.

Such uns heim mit deiner Kraft,

o du Aufgang aus der Höhe,

dass der Sünde bittre Haft

und des Zweifels Not vergehe.

Gib uns Trost und Zuversicht

durch dein Licht.

 



Der Morgenglanz der Ewigkeit wird sichtbar in der goldenen Scheibe, die der Skulptur etwas Strahlendes gibt. Dieses Licht ist unerschaffen und ewig, so wie Gottes es ist. Er ist auch mit diesem Licht gemeint. Sein Licht will aber nicht bei sich bleiben, sondern zu den Menschen kommen. So auch die Bitte in der zweiten Strophe: „Such uns heim mit deiner Kraft, o du Aufgang aus der Höhe.“ Gott ist Mensch geworden in seinem Sohn Jesus Christus. In ihm ist er aus der Höhe herabgestiegen, und hat uns mit seiner göttlichen Kraft besucht. In der Skulptur lässt sich diese Aussage im unteren Drittel entdecken. Da hat der Künstler ein Halbrelief hineingearbeitet. Wie in einem Geburtskanal liegen dort zwei Menschen. Eine weibliche Figur im Hintergrund, eine andere davor, ohne die hintere zu verdecken. Die vordere hat etwas auf der Brust liegen. Es könnte ein Kind sein. Und da ist dann der Gedanke zu Heiligen Familie nicht weit.

Der Hörende hat seinen Kopf dem Göttlichen zugewendet. Anatomisch fein hat der Künstler den Kopfnickermuskel herausgearbeitet. Er kommt vom Kopf her, ist charakteristisch für den gewendeten Hals. Bei der Kopfwendung nach links, tritt der rechte Muskelstrang besonders hervor, der dann in der Brust ausläuft. Für das Bild des Hörenden, geht die Laufrichtung hin zum Herzen. Im Bild betrachtet heißt das, dass das Gehörte ins Herz möchte. 

Da der Mensch durch seinen Schöpfer Anteil an ihm hat, ist das Herz des Hörenden mit einer kleinen goldenen Scheibe hervorgehoben. In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.“ (Gen 1,26)

 

Doch das Gehörte möchte in die Welt. Dafür steht die rechte Skulptur „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Es sind eigentlich zwei Skulpturen, die eng beieinander stehen. Zwei Köpfe liegen ineinander. Auf dem ersten Blick könnte man meinen, dass der etwas Größere sich von Gott abgewendet hat. Aber jeder Gottesmensch, der seinen Auftrag vernommen hat, macht sich auf dem Weg. So schein es auch hier zu sein. Da fühle ich mich erinnert an den guten Hirten, der dem verlorenen nachgeht, und als er es gefunden hat, Geborgenheit schenkt. Geborgenheit schenken ist eine Tat, die mit Bewegung zu tun hat. So drückt sich die Göttlichkeit im unteren Bereich der Skulptur aus, dort wo die Beine sind. Wieder hervorgehoben durch Vergoldung. Auffällig ist, dass der „Verlorene“ seine Göttlichkeit nicht verloren hat. Mit dem anderen ist sie wieder „rund“.

Auch wenn der Text dieser Interpretation manches vorschlägt, bleibt doch weiterhin die Einladung, sich mit dem Skulpturen zu Befassen. Viel Freude dabei.

Andreas Anhalt

Das Wort

Das Wort für Donnerstag, 23. März 2017

Gott spricht über Israel:

Mit menschlichen Banden zog ich sie, mit Seilen der Liebe.

Hosea 11,4

Der Kerkermeister fragte Paulus und Silas:

Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus!

Apostelgeschichte 16,30-31

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Gottesdiense in St. Stefan

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