In der letzten Ausgabe unseres Gemeindebriefs hat Pfarrer Mucke über die Pilger der Hoffnung geschrieben. Sichtbar und fest hat er geäußert, dass ein Weg ohne Ziel sinnlos ist. Man kann auch sagen, wenn unsere Herkunft unbekannt ist, so bleibt unser Ziel auch unbekannt. Dann wäre es ein sinnloser Weg. Herkunft und Ziel bilden und sichern unsere Identität.
Eine Erfahrung, die ich im damaligen deutschen Sprachkurs gemacht habe, wäre hier hilfreich. Zur Vorstellung haben wir dort über Namen und Länder gelernt. Zum Beispiel: „Ich heiße Toni und komme aus Äthiopien.“ Das ist immer der erste Satz, den ein Teilnehmer am Sprachkurs lernen muss. Es geht um Selbstvorstellung; um Identität. Deswegen bemühen wir uns darüber nachzudenken, woher wir kommen und wohin wir gehen. Wir stammen von Gott und gehen zu ihm. Unser Weg ist himmelwärts.
Bei Gott zu Hause ist unser Ziel. Aber wo stehen wir zurzeit? Was sagt uns die Zeitenstimme? Was erfahren wir gerade? Was gibt es Neues? Wie wirkt das Vergangene auf die Gegenwart? Welchen Herausforderungen begegnen wir unterwegs, damit wir eine sichere Zukunft gestalten dürfen? Vor allem: Wie können wir uns zeitgemäß vorstellen?
Wir sind das Volk Gottes, mit Christus und miteinander unterwegs. Nebst dieser theologischen Grundformulierung suchen wir dann ein passendes Bild für unsere Kirche in dieser Zeit und in unserem Gebiet, weil Zeit und Raum Geschichte bilden.
Vielleicht sehen wir uns als eine Kirche, die sich als ein Gebetshaus für alle Völker versteht. Die Kirche ist ein Gebetsort, weil Gott, der mit uns geht, darin wohnt. Sie ist ein Begegnungsort zwischen Gott und Menschen. Aber, das ist nicht genug. Jesus hat uns gesagt: „Die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“ (Johannes 4,23).
Das bedeutet eine Verinnerlichung von Kirche. Falls wir in die Kirche gehen, sollen wir eine Kirche werden, die lebendige Steine zu einem geistigen. Haus aufbaut. Nach dem Römerbrief 5,5 wohnt in unserem Herzen der Geist Gottes. So sagt uns Paulus: „Unser Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.“
Wenn wir in die Kirche eintreten, müssen wir auch eine geistliche Kirche werden. Ohne diese geistliche Kirche geht es nicht. Wenn wir eine geistliche Kirche werden, können wir irgendwo beten, weil Gott überall ist. Wo wir sind, dort ist dann die Kirche. Dann kann man richtig von der Kirche im Aufbruch sprechen. Unterwegs bilden wir einen Raum, in dem Gott unter den Menschen wohnt. Diese anthropologische Dimension der Kirche schafft Raum für jeden.
Das Gebet des Königs Salomo im Tempel schließt auch alle Völker ein (vgl. 1 Könige 8,41-511). Der Tempel als ein Gebetshaus für alle Völker wurde auch in der prophetischen Überlieferung angenommen (vgl. Jesaja 56,72). Von Johannes zu Petrus spürt man eine Flugbahn der Verinnerlichung des Tempels. Weil Jesus der Tempel ist (Johannes 2,213), dürfen wir lebendige Steine für einen lebendigen Tempel werden (1 Petrus 2,54). Christus ist das Haupt seines Leibes, der die Kirche ist. Wir sind in Christus eingegliedert. Wo er ist, dort sind wir und dort ist die Kirche. Dort wohnt Gott unter uns. Wir werden dann zu einem Begegnungsort zwischen Gott und Menschen.
Möge unsere Kirche vorbildlich für alle offenbleiben. Dann sind wir, das Volk Gottes, unterwegs. Wie der Heilige Paulus uns ermahnt, lasst uns nach dem streben, was zum Aufbau der Gemeinde beiträgt (Römer 14,195).
Es grüßt Sie herzlich
Ihr neuer Pfarrer Pater Dr. Stanley Ekwugha

